Daily Lena

emma-bale TVK 2016 - Battle 1 julien-bam
 

Zustände einer Konzertbesucherin

Gepostet von um 19:07 Uhr

 

Warten

Ich sitze im Zug. Die Sekunden dehnen sich lang, wie die ineinander laufenden Streifen vor den Fenstern, die Felder wie mit einer breiten Bürste dahingewischt. Die Farben übereinander, braune Böschung, grün bis ockergelbe Flure, und vom Himmel das Blau. Mit trotziger Kraft. Man kann sich nicht denken, dass die Zeit es schaffen mag, den Tag je zum Ende zu zwingen. Aber helfen will ich ihr. Zu sehr ersehne ich den Abend, die Musik, die Begegnung. Ich pflücke meinen trägen Blick von der vorbeiziehenden Gegend, schiebe meinen Rücken wieder gerade an das Sitzpolster und spanne ein wenig die Muskeln an. Anschieben mit kleinen Handgriffen, so gut es eben geht. Ich ordne das Kabel meiner Kopfhörer, fahre mit den Fingern über die Kunststoffschnur bis hin zum Ohrstöpsel. Den rechten. Den linken. Die Zeit voranstupsen. Ich schiebe sie ins Ohr. Rechts. Links. Das Rauschen des Zuges und die Töne des Abteils werden dumpf zugedeckt. Ich warte einen Augenblick, zerteile die Zeit noch einmal und lausche meinem Atmen. Ich will die Erwartung erst im ganzen Körper spüren. Fokussieren auf den kommenden ersten Trommelschlag. Start. Sternenstaub.

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Subcelestial Homesick Blues: Goosebumps

Gepostet von um 00:37 Uhr

 

Die Liebe hat es schwer in dieser Zeit. Sie wird zwischen ihr fremden und feindlichen Interessen herumgeschubst, bis sie den Menschen, die ihrer so dringend bedürfen, verloren geht. Das macht Angst, und wer Angst hat, braucht Ermutigung und Trost.

 

Ermutigung, Trost und die mit ihnen verbundene Sehnsucht sind so elementare und unmittelbare Gefühlszustände, dass Kunst und Musik ihnen nur in den seltensten Fällen gerecht werden können; versagen diese, so spotten sie jener. „Goosebumps“, ein Lied aus der Feder Lenas und Miss Lis, evoziert und zelebriert diese Gefühle in beeindruckender Weise. Das ist, mehr noch als der Komposition und dem Text, Lenas Stimme und ihrem Gesang zu verdanken. weiterlesen

 

Her Own Secret Escape: Don’t Panic

Gepostet von um 07:45 Uhr

… und als unsere junge Heldin auf der Flucht vor den Rauchschwaden an der Rezeption um die Ecke stürmt, mit schmerzendem Rücken und schmerzenden Füßen und ziemlich außer Puste – da steht er endlich vor ihr, der Mr. Arrow Key. Der, den sie so lange gesucht hat, with his mustache and his kind eyes, da ist er nun – und alles, was der Kerl ihr zu sagen hat, sind zwei verdammte Worte. Aber das ist, wie man in den zweieinhalb Minuten des gleichnamigen Songs hören kann, mehr als genug. weiterlesen

 

Universal Artist: Moonlight

Gepostet von um 01:25 Uhr

Noch ein Cover: Moonlight, das in der von Mayaeni Strauss gesungenen Originalfassung Verwendung im amerikanischen Fernsehen fand, stammt aus der Feder desselben Autorenteams wie Lenas Top-5-Hit Bee: nämlich Per Kristian „Boots“ Ottestad, Rosi Golan und der Originalinterpretin selbst, die unter dem Namen Mayaeni auftritt. Es handelt sich um einen sehr amerikanischen Country-Folk-Rocksong im schwülen Südstaaten-Stil der frühen Siebziger Jahre, den Lena ebenso kraft- wie gefühlvoll und mit einem wohlbemessen erotischen Timbre interpretiert. weiterlesen

 

Sex and Thrill: I’m Black

Gepostet von um 05:44 Uhr

  Eine aggressive Stimmung liegt in der Luft. Es wurden Verletzungen ausgesprochen, auch eine Prügelei ist nicht ausgeschlossen. Sogar der Gebrauch von Schusswaffen wird angedeutet, und zu jenem „shoot“ wird in deutscher Sprache ergänzt: „Hier ist richtig viel Blut“. Zwar werden dem Betrachter die konkreten Geschehnisse vorenthalten, doch so viel steht fest: Es hat gewaltig gekracht. weiterlesen

 

Herzschlag: To the Moon

Gepostet von um 01:07 Uhr

 

Glücksgefühle finden ihren Ausdruck fast immer in irgendeiner Form körperlicher Bewegung. Glück lässt uns springen, tanzen, uns im Kreis drehen und wie Kinder auf und ab hüpfen. Jedenfalls gilt das für jene Formen des Glücks, die damit zusammenhängen, dass uns etwas besonders Schwieriges gelungen ist, wobei wir neben dem Glück häufig auch Stolz und Genugtuung, vielleicht Triumph empfinden. Das Glück ist in uns und es will raus, wie bei einem Vulkanausbruch: Der über seinen Torerfolg jubelnde Fußballer rennt über das halbe Feld und setzt am Ende noch im Galopp über die Bande.

Es gibt eine andere Form des Glücks, die sich nicht weniger intensiv anfühlt, aber ganz anders. weiterlesen

 

Middle of the Road: Time

Gepostet von um 02:35 Uhr

Mit Time, der Flipside zu ihrer fünften Single Stardust, hat Lena wieder einen bereits veröffentlichten Song eines anderen Künstlers gecovert; weiterlesen

 

Des jours d’amour à ne plus finir: Day to Stay

Gepostet von um 07:00 Uhr

 

Obwohl die Charts seit geraumer Zeit von der Stimmwucht der R ’n’ B-Heldinnen und der Neo-Soul-Queens dominiert werden, gab es in den letzten Jahren noch ein anderes, sehr erfolgreiches Modell für Vokalistinnen im Pop: Sängerinnen, die mit zarter, manchmal leicht brüchiger Stimme Lieder nur zu sparsamer Gitarrenbegleitung vortragen. Lagerfeuermusik, eigentlich. Aber eben doch nicht ganz, weil die Zeltlager-Stimmung immer wieder durch elektronische Spielereien und Effekte verfremdet wird, die verraten, dass es sich nicht um traditionellen Folk handelt. Urban Campfire könnte eine Bezeichnung für dieses Genre sein, dem sich Songs von so unterschiedlichen Künstlerinnen wie Cat Power, Laura Veirs, Maria Solheim oder Kat Frankie zurechnen ließen. Diese Lieder verbreiten gleichzeitig Heimeligkeit und Fremdheit, Wärme und Kühle. In das rötliche Flackern des Lagerfeuers mischt sich, sozusagen, das bläuliche Schimmern des Laptop-Bildschirms. weiterlesen

 

Material Girl: Better News

Gepostet von um 07:25 Uhr

Better News ist derjenige Song auf Stardust, der bei mir beim ersten Hören die skurrilste Assoziation von allen verschaffte, nämlich – meine Leser dürfen mir dafür gerne den Vogel zeigen – die Erinnerung an eine Fernsehserie aus den Siebzigern namens Herr Rossi sucht das Glück. Genauer gesagt, an den Titelsong und dessen darin verkündetes lebensfreundliches Wunschprogramm – an den Rest der Serie erinnere ich mich kaum. In dem Song zählt eine männliche Stimme auf, was Herr Rossi alles zum Glück fehlt, und das sind durchweg materielle Dinge – Eis vom Nordpol, flambiert mit Punsch, drei Stück Kuchen, sechs Kaffee, zwanzig Törtchen, dazu Tee, ein feines Auto, Sekt statt Milch. Frauenchöre rufen immer wieder fordernd „Was noch? Was noch? Was noch?“ dazwischen, und ja, Herr Rossi will noch mehr, und wir als Zuschauer sympathisieren mit dem kleinen Herren und finden auch, dass er noch mehr bekommen sollte. Dabei geht es gar nicht darum, möglichst viel zu besitzen. Sondern darum, auch teilzuhaben am schönen Leben, zu dem eben auch die sinnlichen Freuden gehören – zum Beispiel auch Sonne, Sonne, Blumen, Blumen, zwanzig Blumen, oder ein Kuss, oder zwei. weiterlesen

 

Screwball: Bliss Bliss

Gepostet von um 05:49 Uhr

 

Bereits die ersten freudig-fiebrigen Klaviertakte kündigen an, dass das ein großer Spaß wird, Lenas Einstieg I was going haywire, feeling out of tune folgt unmittelbar und treibt die Neugierde weiter an, die Strophe greift, ja begeistert – aber dann der Refrain: Völlig unvermittelt gerät man in eine selig machende Studioschlacht, in der die Instrumente, die in einem erbitterten Wettstreit zu stehen scheinen, aus allen Himmelsrichtungen über einen herfallen. weiterlesen