Uneigentliches Sprechen, das doppelbödige Spiel von Ironie, Rollentausch und Camouflage, ist immer noch die Ausnahme in der Popmusik, einem Genre, das sich – leider gerade in seinen massentauglichen Teilen – häufig genug auf die drei Modi des süßlichen Schmachtens, des weinerlichen Jammerns oder des adoleszenten Kraftmeierns reduzieren lässt. Alles todernst gemeint, versteht sich, und stets so vorgetragen, als enträngen sich die entsprechenden Gefühle unmittelbar des Sängers Brust, als gäbe es keinen Unterschied zwischen der Person, die auf der Bühne steht, und dem „Ich“, von dem im Song die Rede ist. Lenas früher Ruhm beruhte mit darauf, dass sie diese Show auf die charmanteste Weise durchbrach und mit Vorliebe Lieder vortrug, die ihr Gelegenheit gaben, offensichtlich in Rollen zu schlüpfen und singend zu schauspielern bzw. schauspielerisch zu singen – von Diamond Dave, der augenzwinkernden Liebeserklärung an einen Hardrock-Shouter, bis zum bitter ironischen Einfrau-Miniatur-Theaterstück Foundations, vom lebensfrohen New Shoes bis zum tieftraurigen Mr. Curiosity: LML wollte nur spielen. weiterlesen